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Schülerproteste in Frankreich: Die Gewalt droht sich auszuweiten – ein Überblick
Neue Schülerproteste in Frankreich: Droht eine Ausweitung der Ausschreitungen?
Seit mehr als einer Woche kommt es in Frankreich zu Schüler- und Studentenprotesten, es geht vor allem um mehr Geld für das Bildungswesen.
Tausende junge Menschen wurden bereits festgenommen.
Nun droht die Lage weiter zu eskalieren.
Frankreich steht ein neuer Höhepunkt der teils gewalttätigen Schülerproteste bevor.
In Paris ist um 14 Uhr eine Demonstration auf dem Place de la République geplant, 20 000 bis 40 000 Teilnehmer werden erwartet.
Allein im Grossraum Paris bleiben am Dienstag 200 Gymnasien vorsorglich geschlossen, wie die Nachrichtenagentur DPA berichtet.
Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Auch in anderen Grossstädten wie Lyon, Lille, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Rennes und Strassburg sind Demonstrationen geplant.
Dazu aufgerufen haben Schülervertreter und Gewerkschaften.
Mehrere grosse Bildungsgewerkschaften und Lehrkräfte unterstützen die Aktionen und kündigten Streiks an.
Damit gewinnen die Proteste über die Schülerbewegung hinaus an Breite.
So wie hier in Pantin kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizisten.
Vielerorts ist die Infrastruktur veraltet, viele Schulgebäude sind baufällig.
Nach dem friedlichen Protest an einer Schule in einem Pariser Vorort gab es noch in derselben Woche Blockaden an Dutzenden weiteren Lycées in der Region.
Allein am Montag gab es erneute Proteste an 589 Schulen.
Lehrer wurden angegriffen, Polizisten verletzt, Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand gesetzt.
Immer wieder gibt es Verletzte und Sachschäden.
Laut französischen Medien versuchten Schüler am Montag, ein Gymnasium in Paris in Brand zu setzen.
Auch die Polizeipräfektur im ostfranzösischen Nancy meldete Brandstiftungen sowie Angriffe mit Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails.
Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Justizministeriums 5060 Menschen festgenommen, die Mehrheit davon Minderjährige.
Gegen 1802 Betroffene seien Ermittlungen eingeleitet worden.
Allein bei den Protesten am Montag gab es laut Innenministerium 984 Festnahmen.
Die bei Ausschreitungen entstandenen Schäden an Schulgebäuden und im öffentlichen Raum bezifferte Justizminister Gérald Darmanin auf mehrere Millionen Euro.
Wo dies möglich sei, sollten die Eltern der jugendlichen Täter zur Begleichung der Schäden herangezogen werden.
Premierminister Sébastien Lecornu rief die Ministerien am Sonntagabend auf, konkrete Verbesserungen an den Schulen des Landes einzuleiten und den berechtigten Sorgen der Schüler Gehör zu geben.
Derzeit verschärfen die Polizeibehörden landesweit ihre Präsenz.
Für Diskussionen sorgt der Fall eines 15-jährigen Gymnasiasten, dem im nordfranzösischen Lens durch eine von der Polizei abgefeuerte Granate eine Hand abgerissen wurde.
Beamte hatten das Geschoss in eine Gruppe demonstrierender Schüler abgefeuert.
Die Generalinspektion der Polizei ermittelt gegen die eingesetzte Bereitschaftspolizei.
Nach Informationen eines französischen Senders handelte es sich um eine Blendgranate.
Der Fall könnte den von teils drastischen Gewaltszenen geprägten Protest weiter anheizen.
Nach vorherigen Fällen von mutmasslicher Polizeigewalt steht der Einsatz der Beamten gegen die jungen Menschen in der Kritik.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem unverhältnismässigen Einsatz der Polizei gegenüber den Schülern.
Innenminister Laurent Nuñez rechtfertigte in einem Interview des Senders France Inter den Einsatz von Granaten zur Auflösung von Menschenansammlungen sowie Gummigeschossen bei den Demonstrationen.
Wenn es zu Ausschreitungen komme, sei der Einsatz dieser Waffen «verhältnismässig».
«Man kann hier nicht von polizeilicher Repression sprechen.»
Muhammed Said Tako / Imago
Warum sind die Proteste für Frankreichs Regierung heikel?
Die massiven Proteste treffen Frankreich sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl unvorbereitet.
Die Regierung, die gerade mit einem Sparhaushalt ringt, will einen Flächenbrand mit einer Ausdehnung der Proteste auf andere Bereiche verhindern.
Der selten um drastische Worte verlegene Anführer von Frankreichs Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, sprach von Machtmissbrauch durch die Polizei.
Die Zahl der Festnahmen sei bereits höher als während der Studentenrevolte im Mai 1968.
So ist es auch in mehreren Städten in Belgien nach Angaben der Polizei zu gewaltsamen Zusammenstössen und Sachbeschädigungen gekommen.
Bei einer Demonstration in Lüttich mit rund 1000 Teilnehmenden seien Dutzende Menschen festgenommen und 18 Polizeibeamte leicht verletzt worden, teilte die belgische Polizei am Montag mit.