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Todesfall an Pest-Institut: Angeblich kein Pestfall in Sibirien - doch neue Infos fehlen
«Die Gesundheits- und Epidemielage im Gebiet Irkutsk sowie in den Städten Irkutsk und Schelechow ist ruhig», teilte die Behörde Rospotrebnadsor auf der russischen Plattform Max mit.
Die 28 Jahre alte Wissenschaftlerin am Institut für Pest-Bekämpfung in Irkutsk in Sibirien war am vergangenen Freitag im Krankenhaus der nahegelegenen Stadt Schelechow gestorben.
Spekuliert wurde, dass sie sich mit dem Erreger der Lungenpest infiziert haben könnte - womöglich sogar bei einem Laborunfall.
Rospotrebnadsor dementierte in einer Mitteilung vom Sonntag sowohl einen Unfall als auch eine Pestinfektion.
Als Todesursache wurde eine «Pneumonie nicht festgestellter Ätiologie» (Lungenentzündung unbekannter Herkunft) genannt.
Erweiterte Untersuchungen hätten im Körper der Kranken keine Mikroorganismen gefunden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit verbunden seien - so zitierte die Nachrichtenagentur Interfax aus der Stellungnahme.
Doch Angaben stehen aus, an welchem Erreger der Lungenentzündung die Frau starb.
Nach Behördenangaben wurden keine weiteren Infektionen festgestellt.
US-Außenminister Marco Rubio forderte Russland auf, mehr Informationen zu geben.
Trotz der Versuche der russischen Behörden, die Lage zu beruhigen, schießen im Internet Spekulationen über eine möglicherweise drohende Epidemie ins Kraut.
Zum einen begann auch die weltweite Corona-Epidemie am Jahreswechsel 2019/20 mit Berichten über eine rätselhafte Lungenkrankheit in der Stadt Wuhan in China.
Der Verlauf von Ansteckungen ist allerdings bei Pesterregern anders als bei Covid-19.
Zum anderen haben russische oder sowjetische Behörden Katastrophen oft geleugnet oder heruntergespielt - sei es die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 oder der Untergang des Atom-U-Bootes «Kursk» 2000.
Das Vertrauen in die offiziellen Mitteilungen ist gering.
Dieses Jahr ließen russische Behörden in Sibirien Tausende Nutztiere wegen angeblicher Tierseuchen schlachten, auch wenn nach Einschätzung der Bauern ihr Vieh gesund war.
«In vielen Ländern der Welt wird an Pest und anderen Infektionskrankheiten geforscht», sagte der Biochemiker Peter H. Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam der dpa.
Da bei der Pest die Gefahr eines Einsatzes als Biowaffe im Raum stehe, «geht es unter anderem darum, Detektionsstrategien zu entwickeln und möglicherweise zu impfen».
Es sei vernünftig, Vorsichtsmaßnahmen für jeden zu treffen, mit dem es Kontakt gegeben haben könnte, sagte Malick Gibani vom Imperial College London.
Alice Hughes von der University of Melbourne sagte, selbst wenn noch eine Infektion bestätigt werden sollte, sei es wegen der raschen Gegenmaßnahmen unwahrscheinlich, dass der Erreger sich ausbreite.
Forschung zur Pest ist nötig, denn die Krankheit ist keineswegs verschwunden: Weltweit würden jährlich einige Hundert Fälle gemeldet, meist geografisch eng begrenzt, insbesondere in Madagaskar und der Demokratischen Republik Kongo, erklärte Gibani.
«Die Pest ist keine Krankheit der Vergangenheit», betonte Zania Stamataki von der University of Birmingham.
«Diagnostik, Impfstoffentwicklung und die Überwachung von Antibiotikaresistenzen erfordern Labore, in denen der lebende Erreger aufbewahrt und untersucht wird.
Diese Arbeit ist unerlässlich, um auf Ausbrüche vorbereitet zu sein.»