lead
Neue Recherchen bekräftigen einen alten Verdacht: Israels Ministerpräsident soll Warnungen vor einem Angriff der Hamas erhalten haben.
Der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 gehört zu den schlimmsten Terrorangriffen überhaupt.
In den vergangenen Wochen sind verschiedene Recherchen allerdings zu demselben Ergebnis gekommen: Netanyahu wurde vor dem 7. Oktober mehrfach vor einer drohenden Eskalation durch die Hamas gewarnt.
Laut ihren Erkenntnissen führte Mohammed bin Zayed, der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, eineinhalb Wochen vor dem Angriff der Hamas ein 45-minütiges Telefongespräch mit Netanyahu.
Der Berater stand laut der Zeitung in engem Kontakt mit einem Vermittler im Gazastreifen, der in indirekten Verhandlungen zwischen der Hamas und der israelischen Regierung als Bote diente.
Laut diesen war der damalige ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel am 26. September 2023 auf dem Flughafen Ben-Gurion in Israel in einem Kleinflugzeug gelandet.
Zwei Tage nach dem «Atlantic» berichtete das «Wall Street Journal», dass Kamel Netanyahu im Oktober 2023, wenige Tage vor dem Angriff der Hamas, direkt angerufen habe, um ihn zu warnen.
Auch im Kibbuz Kfar Aza tötete die Hamas viele Zivilisten und verschleppte Geiseln in den Gazastreifen.
Am 27. Oktober finden in Israel Parlamentswahlen statt.
Gemäss dem von der «New York Times» eingesehenen Sitzungsprotokoll forderten damals einige Sicherheitsberater des Ministerpräsidenten, führende Hamas-Kämpfer im Gazastreifen mit Luftangriffen zu eliminieren.
Doch Netanyahu sprach sich dagegen aus.
Bin Zayed selbst hat das Telefongespräch und seine Warnung an Netanyahu bisher weder bestätigt noch dementiert.
Vier Tage nach dem Terrorangriff erklärte der amerikanische Kongressabgeordnete Michael McCaul gegenüber Journalisten: «Wir wissen, dass Ägypten die Israeli drei Tage vorher davor gewarnt hatte, dass ein Ereignis wie dieses passieren könnte», sagte der Vorsitzende des aussenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus.
Nachdem das Dokument mit dem Codenamen «Jericho-Mauer» in israelische Hände gelangt war, zirkulierte es gemäss der «New York Times» auf hoher Ebene im Sicherheitsapparat.
Im Juli 2023 warnte eine erfahrene Geheimdienstanalystin ihre Vorgesetzten: Die Hamas habe ein Manöver durchgeführt, während dessen ihre Kämpfer exakt die Umsetzung des Plans geübt hätten – unter anderem auch die Besetzung eines Kibbuz.
Auch junge Soldatinnen, deren Aufgabe es war, verdächtige Bewegungen im Gazastreifen zu beobachten, hatten 2023 während Monaten vor einem Angriff der Hamas gewarnt.
Unter anderem sahen sie, wie Hamas-Kämpfer den Grenzzaun inspizierten und Geiselnahmen übten.
Am 7. Oktober hatte Israel deshalb gemäss «Haaretz» nur noch 400 Kampfsoldaten und wenige Panzer an der Grenze zum Gazastreifen postiert.
Diese Lücke in den israelischen Verteidigungslinien sei auch der Hamas nicht entgangen, schrieb der «Haaretz»-Chefredaktor Aluf Benn 2024 in einem Kommentar: «Der Feind verstand ziemlich gut, welche Gelegenheit ihm in den Schoss gefallen ist.»
In den frühen Morgenstunden des 7. Oktobers registrierten die israelischen Geheimdienste gemäss der «New York Times» ungewöhnliche Hamas-Aktivitäten im Gazastreifen.
Netanyahu erkaufe sich dadurch bloss «kurzfristigen Frieden auf Kosten der langfristigen nationalen Sicherheit», erklärte Lieberman seinen Bruch mit dem Ministerpräsidenten.
Laut dem Shin Bet trugen die Gelder aus Katar zur militärischen Aufrüstung der Hamas und damit auch zum Angriff des 7. Oktobers bei.
Yossi Kuperwasser, ein ehemaliger Forschungsdirektor im Militärgeheimdienst, erklärte diese Politik des Gleichgewichts im Dezember 2023 gegenüber der «New York Times»: «Die Hamas sollte stark genug sein, um Gaza zu regieren.
Die Hamas habe diese politische und gesellschaftliche Krise in Israel als «goldene Gelegenheit» für ihren Angriff gesehen, erklärte der Propagandaexperte Jonathan Halevi 2025 der «Jerusalem Post».