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Spaniens Regierungschef Sánchez kündigt Neuwahlen an
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Drei Tage nach dem Scheitern seiner Dekrete zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Spanien im Parlament hat Spaniens linker Regierungschef Pedro Sánchez die Flucht nach vorn angetreten und eine vorgezogene Wahl angekündigt.
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Seine Regierung habe schon viel erreicht, aber es bleibe noch viel zu tun, sagte er bei einer landesweit übertragenen Fernsehansprache.
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Dafür brauche es aber eine "sehr viel breitere Mehrheit im Parlament".
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"Spanien muss sich entscheiden, ob es sich der rechtsextremen Welle anschliessen oder weiterhin eine Bastion der sozialen Gerechtigkeit bleiben will", fügte der Sozialist hinzu.
(Keystone-SDA) Seine Minderheitsregierung aus sozialistischer PSOE und dem linksalternativen Bündnis Sumar hat keine parlamentarische Mehrheit mehr, seit die konservative separatistische Katalanenpartei Junts von Carles Puigdemont vor knapp einem Jahr ins Lager der Opposition wechselte.
Sánchez bekommt seither kaum noch Initiativen durchs Parlament.
Der letzte reguläre Haushalt ist wegen fehlender Mehrheiten von 2023.
Regulär wäre die Wahl im Sommer kommenden Jahres.
Die Entscheidung für eine Neuwahl ist für Sánchez sehr riskant.
Fast allen Umfragen zufolge würde die konservative Volkspartei PP mit der rechtspopulistischen Vox eine solide Mehrheit von rund 200 der 350 Sitze im Parlament erobern.
Sánchez, der seit 2018 Ministerpräsident ist, und sein linksalternativer Koalitionspartner Sumar hoffen, mit der Empörung vieler Bürger über die steigenden Mieten und fehlenden Wohnraum ihre Wählerschaft zu mobilisieren.
Die Neuwahl werde zu einem «Referendum über die Wohnungspolitik», sagte Sozialminister Pablo Bustinduy (Sumar) RTVE vor Sánchez‘ Ankündigung.
Vor der entscheidenden Abstimmung über die beiden Mieten-Dekrete am Freitag hatte Junts angekündigt, dagegen zu stimmen.
Vor knapp einem Jahr kündigte die Partei jedoch die Unterstützung der Regierung Sánchez auf und stimmt seither immer mal zusammen mit PP und Vox gegen die Regierung.
Junts begründete den Bruch mit der Regierung mit der Verschleppung der Amnestie für Puigdemont, der seit dem illegalen Abspaltungsprozess Kataloniens 2017 in Belgien im Exil lebt, weil es einen Haftbefehl gegen ihn gibt.
Eine triumphale Rückkehr Puigdemonts nach Katalonien mitten im Wahlkampf könnte der konservativen und rechtspopulistischen Opposition Munition liefern, schrieb die Zeitung «El País».
Sánchez habe Spanien mit der Amnestie gedemütigt und gefährde den Bestand des Staates, lautet die Kritik von PP und Vox.
Die Regierung hatte am Dienstag nach der aufsehenerregenden Zwangsräumung der Wohnung einer 87-Jährigen und massiven Protesten ein umfangreiches Massnahmenpaket gegen die Wohnungsnot beschlossen.
Vorgesehen waren unter anderem eine Verlängerung des Schutzes vor Zwangsräumungen, eine stärkere Regulierung von Mietverträgen und ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch «Geierfonds» bis 2028.
Auch sollte es steuerliche Vergünstigungen für Mieter und Vermieter geben.
Zudem war in einem zweiten Dekret eine zweijährige Verlängerung bestehender Mietverträge vorgesehen, die bis Ende 2028 auslaufen.
Die Empörung über den Fall der Seniorin war riesig: In Madrid und anderen Städten gingen am Wochenende wieder Zehntausende unter dem Motto «Ni una Maricarmen más» («Nicht eine weitere Maricarmen») auf die Strasse.
In der Hauptstadt wurde vor dem Sitz der konservativen Regionalregierung auf dem Platz Puerta del Sol ein Protestcamp mit Dutzenden Zelten errichtet.
Steigender Bedarf an Wohnungen – Zu wenige Neubauten
Die Krise auf dem Wohnungsmarkt Spaniens hat viele Gründe.
Die Bevölkerungszahl ist seit 2015 um drei Millionen Einwohner gestiegen, ein Plus von sieben Prozent, wie aus Zahlen des nationalen Statistikamtes Ine hervorgeht.
Zudem steigen die Touristenzahlen stark an, seit 2018 hat sich die Zahl der Übernachtungen in Ferienwohnungen verdoppelt, berichtete die Zeitung «El País».
In Urlaubsregionen wie den Balearen mit Mallorca, Alicante, Málaga oder den Kanaren treten zudem viele ausländische Käufer in Konkurrenz zu Einheimischen und treiben die Immobilienpreise in die Höhe.
Zugleich werden zu wenige Wohnungen neu gebaut.
Spaniens Zentralbank geht davon aus, dass das Wohnungsdefizit bis 2028 auf eine Million Einheiten steigen werde, wenn sich nichts ändert.